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Artikel von F. Guarascio und A. Burhorst

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Fabio Guarascio

Fabio Guarascio

hat Politik- und Geschichtswissenschaft in Göttingen studiert und arbeitet derzeit für den Gesprächskreis Arbeit und Qualifizierung der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Anna Burhorst

Anna Burhorst

hat Integrierte Sozialwissenschaften in Braunschweig studiert und arbeitet derzeit für den Gesprächskreis Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung .

Rezension: "Vom Glück zu Arbeiten"

von Fabio Guarascio und Anna Burhorst am 25. April 2013

Minijobs, entgrenzte Arbeitszeiten, Burnout: Sieht so die deutsche Arbeitsrealität aus? In vielen Fällen ist die Antwort ein eindeutiges „Ja“. Aber nicht immer. Die Videojournalistin Renate Teuchert und der Gesprächskreis Arbeit und Qualifizierung der FES zeigen die Lebenswirklichkeiten von sieben Menschen, die grundsätzlich eines gemein haben: sie arbeiten gerne.


Hier finden den unten rezensierten Film online. 

Was macht Menschen in ihrer Arbeit eigentlich glücklich? Die Antwort darauf ist nicht leicht, denn die Arbeitswelt hat sich stark gewandelt. Dort, wo früher der Kumpel aus der Zeche Zollverein schuftete, hat heute eine junge, selbstständige Goldschmiedin ihr Atelier. Klar ist, dass beide einen völlig unterschiedlichen Bezug zur Arbeit haben: gleiches "Werksgelände" hin oder her. Die Anforderungen und Probleme, mit denen Menschen in ihrer Arbeit konfrontiert werden, haben sich stark verändert. Während die Arbeit in der Zeche zwar sehr anstrengend war, dafür aber ein sicheres Beschäftigungsverhältnis bot, können sich Selbstständige und FreiberuflerInnen wie die Goldschmiedin zwar persönlich entfalten, sind aber gleichzeitig mit einem höheren Maß an Unsicherheit konfrontiert. Der Wandel der Arbeitswelt birgt für die Menschen Chancen und Risiken zugleich. Zentrale Konsequenz im Bereich der neuen Selbstständigkeit ist die Zunahme von Stress und die Entgrenzung von Arbeit und Privatem.

Doch auch in vermeintlich "sicheren" Berufen wie dem Lehramt lässt sich eine Zunahme von Stress beobachten: Der Blick auf die Berliner Lehrerin, die ihren Unterricht durch die Hospitation einer Kollegin evaluieren lässt, zeigt allerdings, wie vielfältig man Stresssituationen durch professionelle Strategien begegnen und so die Arbeitswelt nachhaltig für den Einzelnen verbessern kann. So eine besondere Methode kann prototypisch für viele Ansätze stehen, die zum Ziel haben, die Qualität von Arbeit für das Individuum zu verbessern. Vor allem ergeben sich daraus jedoch Fragen: Wie kann man den neuen Risiken begegnen? Wie können Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Arbeit qualitativ gestalten? Können ArbeitgeberInnen etwas dafür tun, dass Beschäftigte zufrieden und motiviert sind? Macht der in der Arbeitswelt gestiegene Wandel zur Selbstständigkeit freier und glücklicher oder überwiegt die Unsicherheit? Was ist Menschen in ihrer Arbeit wichtig und wie helfen Wertschätzung und Respekt bei der Zufriedenheit mit ihrer Arbeitsstelle weiter?

"Vom Glück zu Arbeiten" erzählt davon, welchen persönlichen Anspruch Menschen an ihren Arbeitsplatz haben. Es werden Menschen vorgestellt, die mit ihren Arbeitsplätzen zufrieden sind. Das ist eine bemerkenswerte Perspektive, dominieren doch ansonsten, zu Recht, eher Berichte über die Probleme vieler Beschäftigten, die sich durch die enorme Zunahme von atypischer Beschäftigung ergeben. Aber durch die Verkehrung dieser Darstellung wird die die Frage aufgeworfen, wie gute Arbeit gestaltet werden kann. Das kann ein wertvoller Beitrag sein, wenn es darum geht, die eigenen Vorstellungen der "Guten Arbeit" zu formulieren, insbesondere wenn man sich noch in einer beruflichen Orientierungsphase befindet. Der Lehrer in der Berufsschule kann seinen SchülerInnen den Film zeigen und ihnen so dabei helfen eine Vorstellung von Guter Arbeit zu entwickeln. Aber auch für Arbeitgeber und Personalentwickler kann der Film eine Bereicherung sein, wenn er zeigt, wie sehr Mitarbeiter sich durch gute Arbeitsbedingungen entfalten und dem eigenen Unternehmen so viel motivierter gegenüber treten können.

Natürlich, die Realität sieht für Arbeitnehmer in Deutschland nicht immer rosig aus und wird für einen Teil der Bevölkerung zunehmend schlechter. Deshalb ist es umso wichtiger, positive Beispiele für Arbeitsplätze mit guten Arbeitsbedingungen festzuhalten und zu verbreiten. Der Film wagt, was in heutigen Zeiten nur wenige wagen: zu thematisieren, dass man nicht nur froh sein muss, eine Arbeit zu haben, sondern dass der Anspruch an ein erfülltes Leben durch den gewählten Beruf keine Luxusfrage ist.




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