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Artikel von M. Ecke

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Matthias Ecke

Matthias Ecke

ist Referent der Arbeitsgruppe der Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität",  stellvertretender Bundesvorsitzender der Jusos und Mitglied im Fortschrittsforum. 

Revolution im Kleinen

von Matthias Ecke am 27. Februar 2012

In Leipzig haben Bürgerinnen und Bürger über die Zukunft ihrer Stadt diskutiert: über bessere Verkehrskonzepte, Hilfe bei Unternehmensgründungen und ein neues Bildungssystem. Am Schluss ist klar: Veränderungen gibt es nur im Kleinen.


Teilnehmer in Leipzig: konkrete Forderungen an die Politik.

 

Was nützt eine abstrakte Diskussion über Fortschritt und Lebensqualität ohne die Beiträge der Menschen vor Ort? Vielleicht leistet sie einen akademischen Beitrag. Sie droht aber die Chance zu verpassen, wirkliche Veränderung anzustoßen. Ausgehend von dieser Überlegung lud die Friedrich-Ebert-Stiftung Leipzig am 23. Februar zur lokalen Zukunftswerkstatt unter dem Motto des Fortschrittsforums: "Wie wollen wir leben?".

Nach Begrüßung durch die Leipziger Abgeordnete und Vorsitzende der Enquete-Kommission Daniela Kolbe, diskutierten mehr als dreißig Bürgerinnen und Bürger im Rahmen eines Workshops Zukunftsvisionen für ihre Stadt. Die Gruppe war bunt zusammengesetzt: Menschen allen Alters, die verschiedene berufliche und ehrenamtliche Hintergründe vereinten. Schülerinnen waren vertreten, Rentner, Bürgervereine, Handwerker, Angestellte der Stadtverwaltung oder der Polizei.

Ausgangspunkt war die Einschätzung der bisherigen Situation. Von zu kurzen Ampelphasen über Lärm bis hin zu prekärer Beschäftigung, einem veralteten Schulsystem und mangelnder Bürgerbeteiligung reichten die Kritikpunkte. Die Teilnehmenden hatten dann die Möglichkeit, ganz unabhängig von der Frage der Kosten oder Realisierungschancen, ihre Ideen für ein besseres, lebenswertes Leipzig zu entwickeln. Soll prekäre Beschäftigung über Vollbeschäftigung und bessere Arbeitsbedingungen bekämpft werden, oder soll ein bedingungsloses Grundeinkommen die Menschen absichern? Erreichen engagierte Bürger mehr Beteiligung durch direkte Demokratie oder dadurch, dass sie kreativ in Parteien mitmischen? 

Anschließend ging es an die Details: Aus Ideen sollten konkrete Forderungen werden, erste Pläne für die Umsetzung waren gefragt. Zuletzt entstand ein umfassender Katalog an Vorschlägen: Die Teilnehmenden wünschen sich ein durchdachtes Verkehrskonzept, ein gläsernes Rathaus, Unterstützung bei innovativen Unternehmensgründungen durch junge Leute oder ein bundesweit einheitliches Bildungssystem. 

Sicher können nicht alle Ideen der Leipziger Zukunftswerkstatt Realität werden. Aber die Bürgerinnen und Bürger haben Anregungen mitgegeben, für die örtliche Stadtverwaltung ebenso wie in die Bundespolitik nach Berlin. Und, vielleicht noch viel wichtiger: Sie haben einander kennengelernt als engagierte und kreative Veränderer, die sich zusammenschließen und Politik gestalten können - innerhalb oder jenseits der etablierten Strukturen. Denn wie die Menschen leben wollen, bestimmen sie immer noch selbst. Sie können diese Entscheidung nicht einfach an einer bessere beratene Politik delegieren. Es bleibt dabei: Auch sie selbst sind die Veränderung, die sie in der Welt sehen wollen.




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