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Artikel von S. Schlebes

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Sven Schlebes

Sven Schlebes

ist Geschäftsführender Gesellschafter der kulturellen Unternehmens­beratung Goldene Zeiten Berlin und Mitglied des Fortschrittsforums.

Liebe(r) konkret. 03. Mann oh Mann.

von Sven Schlebes am 05. März 2012

Die Richtung stimmt. Nach Gastspiel bei der heiligen Familie und erbitterter Kommentar-Gegenwehr ist heute der Mann dran. Sven Schlebes hat ihn besucht in seiner Höhle - mit Shishapfeife und Kaminfeuer.


Wahnsinn, Alter!

Die letzten zwei Wochen hatten es in sich. Jede Menge E-Mails und Anrufe. Gesalzen und gepfeffert. Grund: Der Besuch bei der Familie. Das Problem: Die Familie ist und bleibt ein empfindsamer Punkt des persönlichen Weltbildes. Wenn nicht sogar das Zentrum. Familie - das ist Gemeinschaft. Voll Bio. Logisch. Aber eben auch politisch. Wer hat hier das Sagen? Und wer kann wem wann die Tür weisen? Privatsphäre. Spannende Frage. Vor allem, wenn man den Familienbegriff ausdehnt und ausdehnt und ausdehnt - und bei "der" Gesellschaft landet. Und die hat sich in dieser Woche empört. Also diejenigen, die sich schon immer empörten. Über "die" Muslime, die angeblich nicht dazugehören wollen. Etwas genauer: junge männliche Muslime. Eine echte Familienkrise. Das wollte ich klären. Von Mann zu Mann. Also nicht, dass ich ein Mann wäre. Ein sogenannter echter. Ich bin eher einer von den verweiblichten. Auf dem Weg von irgendwo zu nirgendwo. Aber ich weiß, wo ich sie finde, die Männer, die wissen: Wer sie sind. Was sie tun. Und wie die Welt funktioniert. Und was eben nicht. Dufter Typ? Eher stereotyp. Also, Achtung. Provokationspotenzial.

Treffen eins: Der, der altdeutsch Mann kann.

Ich treffe ihn am Konferenztisch. Wirtschaft, da ist er zuhause. Landkarte. Fähnchen. Standorte und Absatzmärkte. Seit Jahren. Seit den 50ern. Da war alles noch in Ordnung. Der Lehrer und der Apotheker und der Arzt saßen mit dem Bürgermeister in der ersten Kirchenbankreihe. Sponsored by him: Dem jungen Vater des Wirtschaftswunders. Und dahinter: Volles Haus. Gloria. Halleluja. In Ewigkeit. Amen. Seine wirkliche Religion heißt: Soziale Marktwirtschaft. Und noch wirklicher: Wachstum. Alles schien wunderbar zu laufen. Wo er war, schien die Sonne. Denn er war die Sonne. Ganz und gar. Licht. Kein Dunkel. Und die Sonne schenkte Leben. Und Schwimmbäder. Gnadenvoll. Nur wer ihr zu nah kam, wurde verbrannt. Ganz ohne Gnade. Naturgesetz. Aber das wussten alle Bewohner des Systems und kreisten in respektvoller Distanz und friedlicher Koexistenz. Die Kinder. Ja mein Gott, die Kinder. Schon mal Sonnenkinder gesehen auf dem Weg zur zweiten Sonne im System? Schlechte Idee. Ganz schlechte Idee. Schon mal zwei Mittelpunkte gesehen? Also, Schwamm drüber und weg damit in den Outer Rimp. Ruht die Hoffnung eben auf der Enkelgeneration. Die wird verstehen, warum das System ist wie es ist. Oder es am besten gar nicht erst in Frage stellen. Never change a running system. The winning system. Immer oben auf. Niemals einen Bruch hingelegt. Bis das Gleichgewicht gestört wurde. Des Metasystems. Und das andere Subsystem, das dunkle, zusammenbrach. Sich veränderte. Da draußen, auf der Landkarte. Oder im familiären Bereich. Immer diese Gefühlsduselei. Schließlich hat bisher immer das Geld gesiegt. Und alle am Leben erhalten. Ich. Der Lebensspender. Der Parteienspender. Zentrale: "Alles in Ordnung?" Die Zahlen stimmen. Also, was ist jetzt das Problem? Liebe? Mein Hund, vielleicht. Ja, auf der Jagd da draußen. Haben wir gut gemacht. 5 Kitze erlegt. Schauen Sie mal hier, das Bild auf dem Kaminsims. Toll, so im Grünen, oder? Da hat man seine Ruhe. Kennen Sie eigentlich Friedrich den Großen?

Nein, nicht wirklich, dafür aber den Mohammed. Der hier alles übernehmen will, wie sie sagen. Und nicht macht, was unserer Vorväter machten. Sondern was er will. Der Mohammed. Und seine Vorväter.

Treffen zwei: Der, der neudeutsch Mann könnte. Aber nicht will.

Auch ihn treffe ich am Konferenztisch. Wirtschaft hieß das mal. Jetzt ist Café Bagdad hier zuhause. Landkarte. Fähnchen. Hochebenen und Dorfmarktidylle. Seidenstraße. Fernseher. Satellitenschüssel. Wettscheine. Verchromter SLK. Seit Jahren. Zuhause, da haben er und seine Brüder das Sagen. Da ist alles noch in Ordnung. Hier draußen: Da ist Feindesland. Irgendwie. Wenn da nicht seine Freunde wären. Mit denen man Tee trinken kann. Oder auf die Jagd geht nach Kizen. Aber die können warten. Denn hier drinnen versteht "man" sich. Hier ist alles in Ordnung. Es gibt den Chef, die Gebetszeiten, die Ehre - und die anderen. Die, die einen nicht mögen. Die einen nicht reinlassen wollen. Hier - in Deutschland. Oder dort drüben - in der Heimat der Eltern im aufstrebenden Istanbul. Angekommen im Nirgendwo. Der SLK - geliehen vom Freund, der bei SIXT arbeitet. Kinder? Um Allah's Willen. Erst mal Kohle. Auch einen Tee? Warten auf die richtige Geschäftsidee. Das winning system. Und dann alles geben. Und es allen zeigen. Aber die Zeit wird kommen. Lieben? Die lieben mich. Die Miezenkizzen. Denn isch bin der Held. Immer auf der Jagd. Auf dem Asphalt. Alles unter Kontrolle. Aus dem Weg, du Opfer. Kennst du meinen Bruder? Wir kommen. Respekt!

Eine Woche, zwei Männer, ein Thema: Integration von Ausgegrenzten in die große Familie. Doch wer ist hier eigentlich wirklich außen vor? Ein Weltbild in Schwarz-Weiß. Was ist richtig? Was ist falsch? Eine Familie. Fragmentiert. Dezentralisiert. Unorganisiert. Ein Glück. So kommt Bewegung ins Spiel. Vielleicht finden die Wesensgleichen ja doch eine gemeinsame Sprache. Denn nur sie können sich wirklich gegenseitig helfen. Da sie einander verstehen. Unter Männern. Wahre Liebe? Der einzige Zugang zur gefühlten Identität. Dem wahren Angstgegner echter Männer. Und der einzige Ausweg.

Vorwärts geht's. Mit viel Gefühl. Die Liebesrevolution braucht euch "echten Männer"!




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