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Artikel von U. Klotz

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Ulrich Klotz

Ulrich Klotz

war Mitarbeiter beim Vorstand der IG Metall für die Themen Forschungspolitik, Wissensgesellschaft und Arbeitsformen der Zukunft. 

Intelligent mit Unvor­hersehbarem umgehen

von Ulrich Klotz am 10. Januar 2012

Die Revolution der Informationstechnologie hat die Art wie wir arbeiten und Wert schaffen verändert. Die Frage ist: Was können wir, was Maschinen nicht können? Höchste Zeit, unseren Begriff von Arbeit zu aktualisieren.


Kommunikation ist ein Fundament der Gesellschaft. Verän­derungen in den dominierenden Kommunikationsweisen haben grundlegende Veränderungen der Gesellschaft zur Folge. In der Zivilisationsgeschichte führten vor allem zwei Verände­rungen bei den Kommunikationsformen zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Umwälzungen: die Entwicklung der Schrift und die Erfindung des Buchdrucks. Betrachtet man die Ent­wick­lung elektronischer Medien als Innovation der Daten­träger und Kommunikationsformen, dann müssen wir uns auf mindestens ebenso große Umbrüche gefasst machen. Das Internet als „Buchdruck der Neuzeit“ senkt nicht nur den Auf­wand zur Vervielfältigung und Verbreitung von Informa­tionen, sondern es verändert die Art, wie Menschen ihre Fähig­keiten verbinden und weiterentwickeln können. Damit verändert es auch jeden Aspekt unseres Denkens: Wahrnehmung, Ge­dächtnis, Sprache, Vorstellungsvermögen und vieles andere mehr. Solche Wirkungen hatten auch andere ehemals „neuen Medien“ wie Sprache, Schrift und Buchdruck – nur dass heute alles ungleich schneller abläuft. Auch das, was wir „Arbeit“ nennen, wird allmählich neu definiert.

Da sich die Informationstechnik trotz aller Erfolge noch immer in ihren Anfängen befindet, stehen wir erst am Beginn folgenreicher Veränderungen, die umfassender sein werden als der Übergang von der Agrar- zur Industrie­gesellschaft. Peter F. Drucker beschrieb schon 1959 in seinem Buch Landmarks of Tomorrow die aufkommende Informationstechnik als Weg­­bereiter in eine von „Wissensarbeitern“ dominierte „Nächs­te Gesellschaft“. Leider wurden die scharfsichtigen Analysen dieses Management-Pioniers erst mit Jahrzehnten Verspätung begriffen. Nach dem Platzen der ersten Internet-Blasen zu Beginn dieses Jahrhunderts glaubten viele Zeitge­nossen, dass es sich bei der „New Economy“ um ein temporäres Phänomen handele, welches auf junge Techno­logie­branchen wie die Informa­tions­technik- und Medienindustrie beschränkt sei. Solche Irrtümer waren zu allen Zeiten Begleit­er­schei­nun­gen fundamentalen Wandels.

In seiner ursprünglichen Bedeutung signalisierte der Begriff „Neue Ökonomie“, dass es dabei nicht um eine neue Branche, sondern um einen grundlegenden Umbruch in den Pro­duk­tions­strukturen geht, der letztlich alle Bereiche der Wirtschaft erfasst. Insofern ist auch die oftmals beobachtbare Gegenüber­stellung von „old economy“ und „new economy“ nur Ausdruck von Unverständnis, denn die Informatisierung verändert Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt – so wie es auch alle bisherigen Informations- und Kommunikations­medien taten. Beispielsweise würde heute niemand mehr behaupten, dass die wesentliche Wirkung des Buchdrucks das Aufkommen der  Druck­branche gewesen sei. Das wiederkehrende Problem ist allerdings, dass man die Wirkungen neuer Medien erst in größerem zeitlichen Abstand erkennen und beurteilen kann.

Ein Blick zurück kann helfen, die gegenwärtigen Verände­rungen der Ökonomie einzuordnen: Die wirtschaftliche Ent­wick­lung begann mit der Agrarwirtschaft, in der mit den Produk­tionsfaktoren Land und Arbeit Nahrung über den eigenen Bedarf hinaus produziert wurde und somit die materiellen Vorausset­zungen für die Entstehung des Handwerks und einfacher Manu­fakturen entstanden. In der Agrargesellschaft war insbesondere Boden ein knapper Faktor. Als es dann vor zweihundert Jahren gelang, mit der Dampfmaschine Bodenschätze in mechanische Energie zu verwandeln und so die Muskelkraft zu ersetzen, nahm die Energieintensität von Produktions­pro­zessen und Pro­dukten immens zu. Die Entwicklung immer komplexerer Pro­duk­tions­systeme war lediglich durch das verfügbare Kapital begrenzt, das in der Industrieära zum neuen knappen Faktor wurde und den Boden in seiner zentralen Bedeutung ablöste. Darauf­hin verlagerte sich in der aufkommenden Industriegesell­schaft wirtschaftlicher Reichtum von den Großgrundbesitzern zu den „Schlot­ba­ronen“, der Kapitalis­mus löste den Feudalismus ab.

Seit Beginn der Informatisierung vor etwa fünfzig Jahren wandeln sich die relativen Knappheiten erneut. Dank der neuen technischen Möglichkeiten ist Information zu einem rasch und reichlich verfügbaren Wirtschaftsfaktor geworden. Infol­ge­­dessen nimmt die Informationsintensität von Pro­zes­sen und Produkten drastisch zu. Heute enthalten selbst viele technische Alltagsgegenstände mehr Informationen als so manche Bibliothek.

Wo Informationen reichlich vorhanden sind, wird ein anderer Faktor knapp: die Fähigkeit, Informationen aufzunehmen und Informationen in Wissen und Bedeutung zu verwandeln. Diese Fähigkeit, hier unter dem Sammelbegriff „Hu­man­kapital“ zusammengefasst, ist nicht beliebig vermehrbar. Ihre relative Knappheit und damit auch ihre Bedeutung nimmt mit der Informatisierung zu; die relative Bedeutung anderer Produk­tions­faktoren wie des Sachkapitals geht zurück. Mit fortschreitender Informatisierung werden immer mehr Routinetätig­keiten automatisiert. Der intellektuelle Gehalt der ver­­blei­­ben­den Arbeit erhöht sich. Immaterielle Komponenten und Werte sowie der Umgang mit Wissen haben einen immer größeren Anteil an der Wertschöpfung.

Die Wissensarbeiter stellen schon die Mehrheit

Wir leben mehr und mehr in einer Wissensgesellschaft, inzwischen stellen „Wissensarbeiter“ die Mehrheit der Erwerbs­tä­tigen. Sie sind die Träger und Besitzer der einzigen Ressource, die wirklich knapp ist; ihre Rolle wird die künftige Gesellschaft entscheidend prägen. Ähnlich wie beim Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft werden sich mit dem neuerlichen Wandel auch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse verändern.

Unser heutiges Verständnis von Arbeit ist ein Produkt der Industrialisierung. Während in der agrarischen Gesellschaft Menschen Jahrtausende lang gemäß dem Rhythmus der Natur lebten, brachte es die Industrialisierung mit sich, dass sich die Menschen zur selben Zeit am selben Ort versammeln mussten, um im Rahmen einer Betriebsorganisation zusammenarbeiten zu können. Nur so ließ sich die neue Technik der Dampf­ma­schine als zentrale Kraftquelle rationell nutzen. Die Zwänge von Mechanisierung und Fabrikorganisation zertrennten Lebens- und Arbeitsraum. Vieles, was uns heute eher selbstverständlich erscheint – etwa die Einteilung des Tages in Arbeits- und Freizeit – wurde anfänglich als enormer Verlust an Freiheit empfunden. Die allmähliche Verfestigung dieser Grenzen führte im Laufe der Zeit zu einer neuen Definition von Arbeit, zu industriell geprägten Lebensstilen – und zur Bildung neuer Solidar-Organisationen.

Im Gefolge der Informatisierung setzen sich nun neuartige Wertschöpfungsprozesse und Unternehmensformen durch, in denen die starren Grenzen der industriell geprägten Arbeits­kultur wieder zerfließen. Bei vielen Formen von Wissensarbeit wird der Zwang zum kasernierten Arbeiten aufgehoben: Arbeit bezeichnet wieder das, was man tut, nicht das, wohin man geht. Das starre Regime von Ort und Zeit wird zur Disposition gestellt. Arbeit zerfällt in viele Formen; die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit, Wohn- und Arbeitsort, abhängiger und selbständiger Beschäftigung, Produzenten und Konsumenten, Lernen und Arbeiten sowie zwischen verschiedenen Lebens­phasen: Ausbildungszeit, Berufstätigkeit und Familienzeit und Ruhestand verschwimmen mehr und mehr. Unser Arbeits­be­griff, der sich in den vergangenen beiden Jahr­hunderten auf „Erwerbsarbeit“ verengte, wandelt sich erneut. Überall breiten sich Arbeitsformen aus, die wir heute noch „atypisch“ nennen. Langfristig wird unser sich an vielen Stellen auf die industrielle Definition von Arbeit gründendes System gesellschaftlicher Institutionen und Regeln mit existentiellen Herausfor­de­run­gen konfrontiert.

Ein wesentliches Kennzeichen der Industrieära ist die Domi­nanz von planbarer, gleichförmiger und kolonnenhafter Verviel­fältigungsarbeit. Um 1 Million Exemplare eines Industriegutes herzustellen, vollziehen tausend Arbeiter tausendmal identische Arbeitsschritte. Um hingegen 1 Million Exemplare eines Com­puter­programms, einer digitalen Präsentation, eines Romans oder eines anderen Geistesproduktes auf den Markt zu bringen, genügt die Herstellung eines Exemplars. An die Stelle der Massen­pro­duktion tritt Unikatarbeit: Jedes Produkt muss nur einmal hergestellt und kann gleichwohl von beliebig vielen Nutzern verwendet werden. Jedoch: Unendlich fallende Durchschnitts­kosten sprengen unsere Vorstellungswelt vom Ausgleich ökonomischer Kräfte und damit von der Fähigkeit der Marktwirtschaft, sich selbst zu regulieren. Denn dieses Gedankengebäude beruht letztlich auf der Annahme steigender Durchschnitts- und (Grenz-)kosten. In einer künftigen Wirtschaftstheorie, die dazu taugt, die Wirtschaft immaterieller Güter zu verstehen, „Intangibles“ zu bewerten sowie wissensintensive Prozesse vernünftig zu steuern und zu bilanzieren, wird das Phänomen der Kommunikation einen zentralen Platz einnehmen müssen.

Hierarchische Organisationen sind passé

Wo es auf Geistesblitze statt Maschinenlaufzeit ankommt, versagen ein auf quantitativen Größen basierender Produktivitäts­begriff sowie die hierauf bezogenen Konzepte zur Bewertung und Umverteilung von Arbeit. Bei Informationsprodukten zählt die Qualität der eingeflossenen Ideen und nicht die darauf verwandte Arbeitszeit. Deshalb ist es kein Wunder, dass Eigen­schaften, wie sie von Kunstmärkten bekannt sind, inzwischen an Bedeutung gewinnen: permanente Innovation, hoher Kommunikations­anteil, große Marktdynamik und intransparente Qualitäten.

Mit der Informatisierung bildet sich eine wissensbasierte Ökonomie heraus, die sich mehr auf die Produktion von Ideen gründet als ihre Vorgängerin. Damit wandelt sich auch die Auf­gabe und der Aufbau von Organisationen. Zum wichtigsten Wettbewerbsvorteil einer Organisation wird ihre Fähigkeit, aus vorhandenem Wissen neues Wissen zu erzeugen. Innovatio­nen entstehen aber nicht nach Plan oder auf Anordnung, sondern erfordern ein ganz anderes Klima, als es industriegesellschaftliche Managementformen zu bieten vermögen. Die heute noch vorherrschende Organisationsform – die funktionelle Hierarchie – wird früher oder später verschwinden, da in ihr die Entfaltung von Wissen und individuellen Fähigkeiten massiv behindert wird. Damit verschwindet auch eine weitere große Demarkationslinie des Industriezeitalters: die scharfe Tren­nung zwischen Entscheidungsträger und Ausführer. Netz­werke aus kleinen, autonomen Einheiten, in denen jeder Kno­ten mit jedem anderen kommunizieren kann (und darf), sind Organisationsformen mit größerer Innovationsfähigkeit.

In der Informationsökonomie steht deshalb das Einkom­men nicht mehr in Beziehung zur investierten Arbeitszeit, sondern hängt ab von dem Geschick, der Originalität und der Schnelligkeit, neue Probleme zu identifizieren und sie auf kreative Weise zu lösen. Damit einhergehend verlieren herkömmliche Karrierewege, formale Ausbildungsabschlüsse, standardisierte Berufsbilder und fixierte Stellenbeschreibungen an Bedeutung. Was im Industriezeitalter Energie, Spezialisierung und Austauschbarkeit waren, werden in der neuen Ära Zeit, Lernen und Anpassungsfähigkeit sein.

Während man bis vor kurzem noch glaubte, steigende Pro­duktivität würde zu stetig kürzeren Arbeitszeiten führen, erleben viele Wissensarbeiter heute das genaue Gegenteil: verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit. Die Ba­lance zwischen Arbeit und Leben muss neu erlernt werden – eine weitere Facette der nachindustriellen Definition von Arbeit.

Der Bedarf an sozialer Heimat wächst

Menschen, die in neuen Formen arbeiten, die ein anderes Ver­hältnis zu ihrer Arbeit entwickeln, deren Identität sich mehr aus ihrem Wissen als aus der Zugehörigkeit zu einem Unter­nehmen speist, entwickeln nicht zuletzt einen neuen Bedarf an Sachwaltern und Ratgebern. In der Wissensgesell­schaft entsteht nicht weniger, sondern anderer Bedarf an sozialer Siche­rung, Kommunikation und sozialer „Heimat“. Mit der Auf­lösung des klassischen Betriebs und der Verschiebung sozialer Bezüge vom Arbeitsplatz in die übrige Lebenssphäre werden sich neue Formen gemeinschaftsorientierten Handelns und neue Quellen der Identitätsbildung entwickeln.

Institutionen wie die Gewerkschaften, die Gemeinschaft bilden und sich um sozialen Ausgleich kümmern, werden in einer vielfältig zersplitterten Gesellschaft vermutlich sogar wach­sen­de Bedeutung erhalten. Neue Unternehmensmodelle und Ar­beits­formen eröffnen zugleich auch neue, zum Teil deutlich bessere Durchsetzungs­möglichkeiten für Forderungen an die Ge­staltung von Arbeit und Einkommen. Mit dem Vordringen neuer Arbeitsformen verlieren die alten, großflächig wirksamen, kollektiven Rege­lun­gen an Bedeutung und Funktion, stattdessen sind flexible, stärker die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen berücksichtigende Dienstleistungen gefordert.

Das heißt aber nicht, dass in der sich rascher wandelnden neuen Welt die alte Notwendigkeit zu politischer Orientierung und Organisation überflüssig würde. Im Gegenteil ist unverkennbar, dass mit dem Strukturwandel die Ungleichheiten in der Welt, die Gegensätze zwischen Gewinnern und Verlierern, zwischen Arm und Reich, sogar noch dramatisch zunehmen. Auf diese sich verschärfende Polarisierung der Gesellschaft wies übrigens schon 1947 Norbert Wiener in seinem Grund­lagen­werk Kybernetik hin: „Stellt man sich die zweite (kybernetische) Revolution als abgeschlossen vor, so wird das durchschnittliche menschliche Wesen mit mittelmäßigen oder noch geringeren Kenntnissen nichts zu ,verkaufen‘ haben, was für irgendjemanden das Geld wert wäre.“

Was Menschen von Maschinen unterscheidet

Leider sind solche Einsichten bei uns noch immer nicht genügend verbreitet, denn unser industriegeprägtes Bildungssystem bereitet junge Menschen nur unzulänglich auf das vor, was Peter F. Drucker schon vor Jahrzehnten als die Anforderungen einer Wissensgesellschaft beschrieb. Folgen der Anachronis­men auf allen Ebenen unseres Bildungssystems sind heute unter anderem der relativ hohe Anteil an Langzeitarbeitslosen sowie die Tatsache, dass Deutschland auf der internationalen Wohlstandsskala inzwischen ins Mittelfeld zurückgefallen ist.

Statt in den Schulen die Entwicklung neuer Fähigkeiten zu fördern, um sich in dieser neuen Welt sinnvoll orientieren und vor allem die Qualität und Entstehungs­zusam­menhänge von Informationen besser bewerten zu können, statt also jungen Menschen vor allem das beizubringen, was Computer nicht können, lassen unsere an industriegesellschaftlichen Kategorien, Denkmustern und Werten orientierten Schul­ty­pen, Lehrpläne und Methoden erkennen, dass bei uns die Mehrzahl junger Menschen für die Arbeits­welt von gestern ausgebildet wird. Genau das beklagte der Futurologe Alvin Toffler unlängst: „Öffentliche Schulen sind in vielen Ländern nichts anderes als Fabriken, um junge Menschen mit Arbeits­fertigkeiten vertraut zu machen, die in der Fließband­ferti­gung benötigt werden, zum Beispiel An­weisungen entgegenzunehmen, pünktlich am Werkstor zu erscheinen, Arbei­­ten zu erledigen, die sich endlos wiederholen, in einer hierar­chischen, bürokratischen Unternehmens­struk­tur zu funktionieren und so weiter.“

Diese Defizite spiegeln sich unter anderem auch in hierzulande vielerorts ausgesprochen rückständigen Management­kon­zepten und Unternehmensstrukturen wider, in denen radikale (Durchbruchs-)Innovationen zu neuen Märkten weit geringere Entstehungs- und Durchsetzungschancen haben als inkrementelle Innovationen auf tradierten Feldern. Auch deshalb ist Deutschland bei traditionsreichen Investitionsgütern und bei vielen konventionellen Industrieprodukten vergleichsweise stark, hingegen auf noch relativ jungen, hochdynamischen und oft auch hochprofitablen Feldern wie etwa in der Software­entwicklung und bei technisch anspruchsvollen IT-basierten Konsumgütern deutlich abgeschlagen.

Dieses Nachhinken im weltweiten Strukturwandel birgt angesichts des sich verschärfenden Wettbewerbs mit nachrückenden Ländern langfristig erhebliche Risiken. Diese lassen sich nur dann dauerhaft abwenden, wenn wir an den Wur­zeln des Problems ansetzen und vor allem im Bereich der Aus- und Wei­terbildung über die Rolle von Kreativität, Inno­va­tionen und über die komplexen Wechselwirkungen von Tech­nik neu nachdenken. Denn eine Erkenntnis Norbert Wieners ist auch nach Jahrzehnten noch immer nicht so richtig in den Köpfen von Politikern, Bildungsplanern, Gewerk­schaftern und vielen anderen angekommen: In der Arbeits­welt zählt künftig vor allem das, was Menschen von Ma­­schinen unterscheidet, nämlich Krea­tivität, Emotionen, Wissen, Erfahrung und das, was man Computern (noch) nicht beibringen kann: die Fähigkeit, intelligent mit Unvor­hersehbarem umzugehen.

Im Grunde erinnert bei uns so manches an die Mönche, die auch noch fünfzig Jahre nach der Erfindung des Buch­drucks jedes einzelne gedruckte Exemplar Korrektur lasen, weil sie die Wirkungen der neuen Technik anfänglich gar nicht begreifen konnten. Gut möglich, dass sich spätere Ge­nerationen über unser heutiges Verständnis der Wir­kun­gen von Informatisierung und Internet ebenfalls kopfschüttelnd amüsieren werden.

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Dieser Text ist zuerst erschienen in: Berliner Republik, das Debattenmagazin, 5/2011.




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